Schwarzwald Freilichtmuseum Vogtsbauernhof

Geschichte des Schlössles von Effringen

Als Ergebnis von umfangreichen Recherchen nach geeigneten Objekten hat das Schwarzwälder Freilichtmuseum Vogtsbauernhof die Versetzung des so genannten „Schlössle von Effringen“ aus Wildberg, Landkreis Calw, beschlossen. Das massiv gemauerte, zweigeschossige Gebäude mit großräumigen Stallungen im Erdgeschoss und großzügigen Raummaßen im Obergeschoss wurde bis 2018 in einem aufwändigen Verfahren nach Gutach geholt. Das Haus weist historische Eckdaten sowie eine Hausgeschichte auf, die es für die Versetzung in das Freilichtmuseum in hervorragender Weise prädestinieren. So ist das Gebäude nach dem bisherigen Stand der bauhistorischen Forschungen bis mindestens in das Jahr 1406 zu datieren. Das Schlössle ist somit eines der ältesten Gebäude in einem deutschen Freilichtmuseum sowie das einzige ehemals herrschaftliche Anwesen in einem baden-württembergischen Freilichtmuseum.

Die ehemals eigenständige Gemeinde Effringen ist seit 1975 Stadtteil von Wildberg und liegt im Nagoldtal an der Schnittstelle des Nordschwarzwalds mit dem Hecken- und Schlehengäu. Der urkundlich erstmals im Jahre 1005 erwähnte Ort war begütert vom Kloster Stein am Rhein, dem heutigen Kanton Schaffhausen in der Schweiz, das seinen Meierhof mit Kirche und der Filialkirche Neubulach 1379 an die Familie Grückler verkaufte. Nach momentanem Wissensstand ist zu vermuten, dass die wohlhabende Familie an Stelle des Meierhofes wenige Jahre später einen herrschaftlichen Wohnsitz errichtete, der im Sprachgebrauch der Einheimischen bis heute als „Schlössle“ bezeichnet wird.

Nach einer wechselvollen Geschichte – ursprünglich als Burg erwähnt, dann als Pfarrhof genutzt, später zur Hofanlage ausgebaut und schließlich als Bauernhaus genutzt - wurde das Gebäude im Zustand des Jahres 1972 belassen. Der letzte Eigentümer, ein Sohn der letzten Bewohnerfamilie, lebt in einem neu errichteten Wohnhaus auf dem Nachbargrundstück und hat das Schlössle bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt in Eigenleistung erhalten.

Ein Glücksfall für die Wiedereinrichtung des Gebäudes ist der Umstand, dass sich die letzten Bewohner des Hauses als Zeitzeugen noch an die einstige Einrichtung und Gesamtanlage erinnern können. Das Haus wurde bis 1972 bewohnt, was dem Zeitschnitt entspricht, der bei der Hauseinrichtung dargestellt wird. Die Inneneinrichtung im Stil der 1970er Jahre wird die Generation der heute 40- bis 60-Jährigen emotional ansprechen und eigene Lebenserinnerungen wecken, die an die nächste Generation weitergegeben werden können.

Die vielschichtigen Stationen in der individuellen Hausgeschichte und der dargestellte Zeitschnitt erlauben dem Freilichtmuseum außerdem neue Anknüpfungspunkte im Bereich des Veranstaltungsprogramms. Mit dem Effringer Schlössle erweitert sich das Themenspektrum des Museums vom späten Mittelalter bis in die unmittelbare Gegenwart.